LONG LIVE THE GOOD OLD GIF

Am 5. November 1999 feierte eine breite Netzgemeinde den „Burn All GIFs Day“ - allerdings nicht, weil sie etwas gegen die kleinen, pixeligen Bewegtbilder an sich hatten.

Das GIF hat eine lange Geschichte und begleitet das Web seit den Kindheitstagen. Dabei war die Fähigkeit, die Bilder animieren zu können, gar nicht der Auslöser für die rasche Popularität. Ende der 80er und Anfang der 90er bot das GIF etwas, das kein anderes Bildformat konnte. Es konnte (farbige) Bilder in erstaunlich kleine Dateigrößen packen, was vor allem in Zeiten sehr langsamer und auch teurer Internetverbindungen einer kleinen Revolution gleichkam.

Und auch trotz des Aufkommens anderer Bildformate und Technologien im Laufe der 90er, die so ziemlich alles besser konnten, blieb das GIF erhalten. Das hatte vor allem einen Grund: Es hatte sich zum Web-Standard etabliert und wurde von so ziemlich allen Browsern unterstützt. Dennoch gab es harte Konkurrenz. Das JPEG hat sich im Laufe der 90er als Standard für unbewegte Bilder durchgesetzt und kann Farben besser wiedergeben. Das PNG beherrscht im Gegensatz zum GIF auch feine Transparenzen und die Flash-Technologie war bald Allzweckwerkzeug für Animationen und Videos. Als Flash Ende der 2000er langsam seinem Ende entgegen ging, stand HTML-5 bereits in den Startlöchern um alle seine Fähigkeiten zu ersetzen.

Das GIF hat diese Zeitentwicklungen dennoch überlebt. Mehr noch: Es ist vielleicht beliebter als je zuvor und gilt als Teil der Popkultur unserer Zeit, wie in den 90ern Tamagotchis und Trick Jo-Jos.

Man begegnet ihnen überall: auf Nachrichtenseiten, in Blogs, im Social Media, in WhatsApp, in Slack-Arbeitsgruppen und in E-Mails von Verwandten – um nur einige Beispiele zu nennen. Häufig sind es kurze animierte Ausschnitte aus Film, Fernsehen, YouTube oder ähnlichen Medien, im Loop, die kombiniert mit Text, Gefühle auf witzige Art und Weise wiedergeben sollen.

Dass es bei jeder Populärkultur einer neuen Generation auch eine Gegenbewegung gibt, die diese verweigert oder argwöhnisch betrachtet, liegt in der Natur der Sache. Dabei ist es aber wohl die falsche Frage, ob man animierte GIFs liebt oder nicht. Das GIF selbst ist nur der Container, in dem die Botschaft überbracht wird. Es gibt erstaunliche Beispiele dafür, zu welch künstlerischen Blüten die technischen Einschränkungen von GIFs Künstler im Internet gebracht hat, z.B.: Scorpion Dagger, Tech Noir, Skip Hursh , INSA

So oder so bewegt das GIF in den 90ern, und auch heute immer noch. In den 90ern spaltete es die Netzgemeinde, weil es zu einem Patentrechtsstreit kam. Ob des verwendeten Kompressionsalgorithmus‘ sollte es zu Gebühren für die Erstellung von GIFs kommen. Quasi als Gegenbewegung entstand das PNG-Format und eine Netzgemeinde rief oben genannten Protesttag aus. Lieber wollte man das Format komplett boykottieren, als eine als ungerecht empfundene Gebühr zu zahlen. Nachdem der Patentrechtsstreit spätestens 2006, wegen Ablauf des Patentes, beigelegt war, ist es heute jedem möglich mit Apps selbst kurze Animationen als GIFs zu teilen.

Dem GIF werden auch weiterhin Herausforderungen entgegenstehen, durch neue Formate von Apple und Co, doch in diesem erfolgreichen Format können wir wohl noch länger kurze Animationen teilen.

Daniel Saravia, Multimedia

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