PLASTIK IST IMMER UND ÜBERALL?

Umweltbewusstsein und Packaging erscheinen vom Prinzip her als natürliche Kontrahenten – noch immer und nach wie vor. Die Frage ist, ob das tatsächlich so sein muss.

Als Unternehmen, das seit vielen Jahren auf Packaging spezialisiert ist, beschäftigen wir uns viel und oft mit dieser Frage. Aber, wie sieht es tatsächlich mit meiner Verantwortung, als Designerin – angesichts meines persönlichen Tätigkeitsschwerpunkts im Packaging Design – aus? In wie weit haben wir/habe ich Einfluss betreffend die Auswahl des Materials, in Bezug auf Nachhaltigkeit und Umweltfreundlichkeit beim Design einer Packung mitzuwirken?
Wie steht es um die Alternativen zur Kunststoffflasche? Es heißt „form follows function“ - tut sie das wirklich? Hinsichtlich der Bequemlichkeit, Leichtigkeit und Vorteile in der Handhabung für die KonsumentInnen trifft das auf die meisten Plastikflaschen zu. Mit Blick auf die Folgen leider nicht.

Plastik oder doch Glas?
Die Frage ist: können wir es uns wirklich leisten weiterhin bequem zu sein? Interessanterweise gibt es gerade im „alternativen Sektor“ gelungene Gegenbeispiele, wie z. B. Makava, der kultige Eistee in einer 0815 Glasflasche. Eine Erfolgsstory. Interessant ist ebenso, dass sich in manchen Bereichen Plastikflaschen auch nicht endgültig durchzusetzen scheinen – z. B. bei Spirituosen oder bei Ölen…
In der Kosmetikindustrie im Bereich der Parfums ist es ebenfalls undenkbar Glas gegen Plastik zu ersetzen. Das Zauberwort heißt wohl ... Preis. In der Produktion ist Plastik einfach billiger als Glas. Gute Parfums kosten. Da ist auch die hübsche Glasflasche inklusive.

Ist Mülltrennung out?
In der CO2 trennen wir den Müll – auch Plastik. Das ist schon mal gut und nicht unbedingt selbstverständlich. Auch privat trenne ich den Müll penibel und versuche Kunststoffverpackungen zu vermeiden, wo es nur geht. Nur ... reicht das? In meiner Generation war Mülltrennung noch ein brandneuer Trend, gehörte zum guten Ton und war eine Bewusstsein-Errungenschaft. Wie verhält sich das für „die Jungen“ von heute? Zumal der Umweltschutz-Trend schon lange kein Trend mehr ist und angesichts anderer, großer Problematiken in der Welt ziemlich angestunken ist. Bedauerlicherweise!

Ein neuer Weg?
Als DesignerInnen werden wir meist dazu beauftragt optisch einwandfrei zu gestalten. Im Endeffekt gehört es aber auch zur „guten Optik“ einer Marke und ihrer Produkte wie verantwortungsvoll und nachhaltig sie agiert, oder? Ist es somit nicht irgendwie auch unsere Aufgabe, als Packaging-Designer, KundInnen zumindest dazu anzuregen, auch die Materialauswahl bewusster zu treffen, so wie es sich mittlerweile bei der Papierauslese (teilweise) etabliert hat?
Unsere Aufgabe lautet daher Lösungen hierfür zu finden und unseren KundInnen Alternativen zu präsentieren. Packen wir’s ein. Und an.

Silvia Müller, Art-Direktion

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