EIN GEBÄUDE, DAS PROVOZIERT!

In welcher Form konsumieren Sie Printmedien? Sie würden jetzt vermutlich sagen, dass Sie das durch das Lesen von Büchern und Zeitungen, dem Überfliegen von Werbeprospekten im Postfach oder den Kauf von verpackten Produkten im Supermarkt tun.
Print ist überall und springt uns manchmal auch sprichwörtlich ins Gesicht, wie das bei Außenwerbung in Form von Autobeklebungen, Citylights und Fassadenwerbung der Fall ist.

Da besonders letztere Methode sehr kostspielig ist, sind die Umsetzungen oft besonders kreativ und auffällig. So wurde beispielsweise die ehemalige Verwaltungszentrale der Pharmafirma Bayer in eine überdimensionale Aspirin-Packung verwandelt, um die „langweilige“ Gebäudefassade als Werbefläche zu nutzen, denn Gebäudewerbung ist auf jeden Fall eine einfallsreiche Möglichkeit, sehr viele Menschen im Alltag zu erreichen.

Auch der Wiener Ringturm, eines der wenigen Hochhäuser in der Wiener Innenstadt, macht sich dieses Mittel zunutze, um Aufmerksamkeit zu erregen, wenn auch nicht für Werbezwecke. Seit 2006 wird jeden Sommer ebendieser mit Motiven von abwechselnden österreichischen Künstlern verhüllt, um das Stadtbild zu verschönern.

Während in den Vorjahren ein gigantisches Schwimmbad und eine Bergszene den Turm verzierten, entschied sich der Wiener Städtische Versicherungsverein heuer für ein Kunstwerk von Gottfried Helnwein, das unter dem Titel „I saw this“ ein junges Mädchen mit Maschinengewehr zeigt.

Ziel ist es, den Betrachter daran zu erinnern, dass wir zwar wegsehen können, Krieg und Gewalt jedoch dennoch rund um uns passieren und viele Betroffene nicht den Luxus haben, dies zu ignorieren.

Seit dem Jahr 2011 wird die technische Umsetzung der Verhüllung vom Unternehmen MOVELIGHT durchgeführt, das die 4.200 m2 große Fläche mit 30 bedruckte Netzbahnen zu je ca. 3x63 Metern in das Kunstwerk verwandelt, das tausende Menschen alleine bei der Regenbogenparade Wochenende bestaunen konnten.

Eva Kirnbauer, Illustration & Grafik Design

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